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Olympiakarrieren

Text aus Sporthilfe Magazin 2/26
Text: Max Fischer | Fotos: Swiss Olympic
530 Talente, 28 Sportarten, ein Ziel: Am Talent Treff Tenero erleben die besten Schweizer Nachwuchsathletinnen und -athleten zwischen Eid und Flamme, hartem Training und Fun zum ersten Mal olympisches Feeling.
Es ist Sonntagabend in Tenero. Im Centro Sportivo wird der olympische Eid verlesen, gefolgt von einem Show-Act. Draussen glitzert der Lago Maggiore, drinnen wird die olympische Flamme entfacht. Die Co-Projektleiterinnen Simone Merkli und Corinne Staub sind mit riesigem Engagement dabei: «Am Talent Treff Tenero, dem 3T, sammeln die besten Schweizer Nachwuchsathletinnen und -athleten erstmals olympische Erfahrungen», freut sich Simone Merkli. Corinne Staub ergänzt: «Unser Anspruch ist es, dass alle Schweizer Top-Athletinnen und -Athleten einmal am 3T waren.»
In einem Blogbeitrag auf swissolympicteam.ch sagt Luca Tavoli, Leiter Leistungssport am Centro Sportivo Tenero: «Spätestens bei der Eröffnungsfeier entsteht sie, die besondere 3T-Atmosphäre», Seit 25 Jahren existiert das Projekt. Er ist seit 2012 dabei – und weiss: «Der Mini-Super10Kampf am letzten Abend in der vollen Turnhalle ist der Höhepunkt.» In diesen Momenten werde spürbar, wie sehr die Jugendlichen zusammengewachsen seien.


Tolle Karrierebasis: Wie hier die Jugendlichen bei der Eröffnungsfeier oder dem Mini-Super10Kampf waren einst auch Marco Odermatt, Nadja Kälin, Mujinga Kambundji, Noè Ponti oder Catherine Debrunner im Nachwuchsalter am 3T dabei. Und schwärmen heute noch davon.
Isabelle Bossi leitete den 3T von 2007 bis 2018. Auch sie erinnert sich im Blog: «Einmal kämpften wir mit einem Ameisenproblem. Ein junger Athlet nahm die Sache in die Hand und versorgte sich im Coop mit Ameisengift – ohne jedoch dafür zu bezahlen. Anschliessend brachte ihn die Polizei zum Centro Sportivo. Zum Glück konnte die Situation geklärt werden.» Und Simone Merkli meint schmunzelnd: «Ein bekannter Dauergast ist der Regen. Spätestens wenn die Enten auf dem Gelände schwimmen, sind wir froh über all die Trockenräume des Centro Sportivo!»
Seit 2001 fast immer dabei ist Swiss-Ski-Trainer Edi Zihlmann. Die Jubiläumsausgabe verpasst er wegen einer Hüftoperation: «Es fuchst mich, es wäre meine 40. Teilnahme gewesen!» Er erinnert sich im Blog auch an legendäre Gigathlon-Tage, bei denen die Talente Velo, Rollski, Kanu und mehr kombinieren – und die einmal in einer abenteuerlichen «Abkürzung» über den Poncione del Macello endeten: «Wir mussten zu Fuss rund 1500 Höhenmeter Richtung Lago Maggiore absteigen. Es gab Tränen und müde Beine. Einige fragten sich wohl, warum wir das eigentlich machten.»
Im Zentrum der Woche steht das persönliche Training der Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren in ihrer Stammsportart. Daneben gibt es polysportive Anlässe, Workshops und wie im olympischen Dorf eine Friendship-Zone mit Lounge. Wichtig ist die Regeneration, etwa mit autogenem Training. Auch bleibt den Jugendlichen Zeit für Grillieren und Beachvolley am See. «Die teilweise sehr jungen Teilnehmenden beeindrucken mit sportlicher Professionalität und Engagement», so Corinne Staub, die seit 2019 zahlreiche Camps leitete. «Doch es gibt oft Raum für Erlebnisse abseits des Trainings: Einmal beschwerte sich ein Teamchef, seine Athletinnen hätten nach einem Streich einen toten Fisch im Zelt vorgefunden. Heute können wir darüber lachen. Genau diese Mischung macht den 3T aus.»
Julie Derron, Olympia-Silbermedaillengewinnerin von Paris 2024, erinnert sich noch gut an ihre Teilnahme am 3T und die wertvollen Workshops: «Besonders geblieben ist mir jener von Antidoping Schweiz. Heute noch kann ich darauf zurückgreifen, wenn ich kontrolliert werde.» Die Sporthilfe stellt ihr Patenschaftsprogramm vor. Das Bundesamt für Sport ist mit Sportpsychologen vor Ort. Swiss Olympic präsentiert seinen Athlete Hub für Fragen und Bedürfnisse vor, während und nach der Karriere und thematisiert die aktuellsten Ethikfragen. Und die Studierenden der Hochschule für Sport Magglingen begleiten während der gesamten Woche einen Verband.



Mit Erwartungen hin, mit einem Rucksack voller Erfahrungen wieder heim: Vom spartenspezifischen Techniktraining profitieren die Talente später ebenso wie von diversen Workshops zur Gestaltung des Lebens im Leistungssport – hier durch die Sporthilfe.
Grill & Chill heisst es am Coaches-Abend mit 100 Trainerinnen und Trainern. Luca Tavoli bezeichnet diesen im Blog als einen der eindrücklichsten Momente der Woche: «Es ist bemerkenswert, wie sich selbst sehr erfahrene Profis öffnen, ihre Gedanken teilen und voneinander lernen.» Judotrainer Bruno Tsafack ist fasziniert davon, wie unterschiedlich die einzelnen Sportarten ticken: «Im Judo zeigt der Trainer vor, und die Athletinnen und Athleten folgen der Demonstration – während im Turnen die Jungen mündliche Korrekturen direkt umsetzen.» Radballtrainer Remo Sandmeier freut sich jedes Jahr auf die Handballerinnen und Handballer: «Wir teilen uns die Halle, da ist über die Jahre eine Freundschaft entstanden – viel Spass machen stets die ersten Fahrversuche auf den Radballvelos. Handballtalent ist nicht automatisch Radballtalent!» Und für Volleyballtrainerin Helena Lengweiler ist der 3T jedes Mal etwas Besonderes: «Unsere Spielerinnen und Spieler erleben, dass Spitzenleistungen überall mit derselben Leidenschaft und Hingabe erarbeitet werden. Und Exzellenz, Respekt und Freundschaft werden tagtäglich gelebt.» Es geht in dieser Woche nicht nur um sportliche Weiterentwicklung: Die Stars von morgen sollen die olympischen Werte Höchstleistung, Respekt und Freundschaft leben und erleben. In ihren Gruppen zeichnen sie jeweils eines ihrer Gschpändli mit einem Werte-Award aus.
«Dieses Best of the Best des Schweizer Sports ist einmalig», sagt Simone Merkli. Dafür gebe es auch international Anerkennung. Die Co-Projektleiterin beschreibt im Blogbeitrag den 3T als zukunftsgerichteten Lern- und Erfahrungsraum für die Jugendlichen: «Im Zentrum stehen bei der Weiterentwicklung des 3T immer die Athletinnen und Athleten und ihre heutige Lebensrealität.» Wichtig: Der Anlass solle sich konsequent an der Welt der Jugendlichen orientieren. «Die schönsten Feedbacks erhalten wir oft erst nach dem Anlass – etwa während einer internationalen Jugendmission, wenn Athletinnen und Athleten oder ihre Trainerinnen und Trainer erzählen, wie prägend der 3T für sie war, welche wertvollen Erfahrungen, Erinnerungen und sportartenübergreifenden Freundschaften sie noch Jahre später begleiten», so Corinne Staub. «Dann wird sichtbar, welchen Wert diese Wochen weit über den Sport hinaus haben.»



Sportskills und Gemeinschaftssinn: In Tenero lernen die jungen Cracks für alle Bereiche ihres Sportlebens. Seit 2001 haben über 20 000 Teilnehmende aus 64 Sportarten von 42 Sportverbänden profitiert. Seit 2006 steigt der 3T alljährlich jeweils im Frühling und im Herbst.
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