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Nino Schurter: von wegen mehr Freizeit!

Text aus Sporthilfe Magazin 1/26
Interview: Iso Niedermann | Foto: Stefan Bohrer

Als bester Mountainbiker der Geschichte ist Nino Schurter bereits eine Sportlegende. Nach seinem Rücktritt Ende vergangener Saison engagiert er sich neu im Stiftungsrat der Sporthilfe. Deren Vorteile kennt er von beiden Seiten.

Olympische Strahlkraft für den Stiftungsrat der Schweizer Sporthilfe: Seit diesem Jahr ist Mountainbike-Star Nino Schurter – direkt anschliessend an seine Weltkarriere – Mitglied des Gremiums im Dienst unseres Schweizer Sports. Der 40-Jährige bringt als Gewinner dreier Cross-Country-Olympiamedaillen, von zehn WM-Titeln und zahllosen Weltcuprennen wertvolle Expertise in die strategische Führung der Sporthilfe ein. Im Interview erklärt Nino, mit welcher Motivation er sein Amt anpackt – und wie sich auch alle Sportfans mit einer Sporthilfe Mitgliedschaft engagieren können.

Nino, wie gefällt dir dein neues Leben als «Cross-Country-Rentner»?

Nino Schurter (Lacht.) Bis jetzt gar nicht so schlecht. Es läuft einiges, unser kleiner Leo macht uns Freude, und ich kann mich nicht über Langeweile beklagen.

Was prägt aktuell deinen Alltag?

NS Zuerst natürlich die Familie. Aber ich bin noch immer zu 50 Prozent auch Sportler und trainiere täglich. Dann gibts diverse Einsätze als Ambassador für Partner. Weiter bin ich – gemeinsam mit meinem Vater – intensiv beschäftigt mit dem Auf- und Ausbau einer Firma zur Einrichtung von Biketrails in Partnerschaft mit einem Churer Bauunternehmen. Touristische Infrastruktur in den Bergen für Biken, Trailrunning oder Wandern wird aufgrund der Klimaentwicklung immer wichtiger. Wir sind da mit Planung, Umsetzung und Wartung involviert.

Wenn du weiterhin trainierst: Welche Art Rennen fährst du denn künftig?

NS Ich schaue fortlaufend. Es sind sicher spezielle Mehr-Etappen-Rennen dabei oder auch mal solche auf dem Gravel-Bike. Für meine Partner im Bikesport ist aber oft wichtiger, dass ich an Händlertagungen oder bei Product-Launches und Ähnlichem dabei bin als an Wettkämpfen. So kann ich an Renneinsätzen das aussuchen, was mir Spass macht. Das ist cool.

Trotz vielen Mandaten und Familienzuwachs kannst du jetzt sicher deine Zeit etwas freier einteilen. Wie schwierig war es, dich vom Mitmachen im Sporthilfe Stiftungsrat zu überzeugen?

NS Lustig, alle meinen, ich hätte jetzt viel mehr Zeit. Aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel aufs Mal mache. Und ich will das, was ich mache, auch anständig erledigen. Bei der Anfrage für den Stiftungsrat, die schon vor meinem Rücktritt kam, musste ich jedoch nicht lange überlegen. Es ist eine tolle Aufgabe, spannend und lehrreich. Ich war schon an Sitzungen dabei und konnte meine Sicht als Athlet einbringen, der alle Stufen der Unterstützung durch die Sporthilfe selbst erfahren hat. Völliges Neuland ist es nicht, weil ich bereits im Verwaltungsrat der Organisation zur Vermarktung der Lenzerheide als Bikeparadies sitze. Auch das ist eine strategische Tätigkeit. Und weil der zeitliche Aufwand für das Sporthilfe Mandat überschaubar ist, wars für mich klar, gleich zuzusagen.

Was gehört zu den wesentlichen Aufgaben eines Stiftungsrates bei der Sporthilfe?

NS Wir diskutieren die Leitplanken, die wir setzen müssen, um der Entwicklung der Sporthilfe die Richtung zu geben. Die Umsetzung ist dann in den Händen der Geschäftsleitung. Zudem kann ich mein breites Netzwerk im Sport einbringen und neue Kontakte knüpfen. Und ich bringe die Athletensicht ein – wer wird wie unterstützt? Welche Form ist sinnvoll? Wer braucht es am dringendsten? Wenn man nicht selbst im Spitzensport war, ist das manchmal noch schwierig einzuschätzen.

Erinnerst du dich an deine erste Begegnung mit der Stiftung Schweizer Sporthilfe?

NS Ich weiss nicht, ob es die erste war, aber sie war jedenfalls sehr prägend: 2004 kürte mich die Sporthilfe zum Nachwuchssportler des Jahres. Diese Ehrung hatte viel Gewicht und war ein Sprungbrett, das mir half, später selbst Sponsoren zu finden. Ich hatte auch Patenschaften, mein erster «Götti» war der Geschäftsführer eines Hotels in Zürich. Mit der Swiss Olympic Card kam ich dann ins Förderprogramm. So lange, bis mein Einkommen ausreichend war, sodass ich die Unterstützung nicht mehr brauchte und ausschied, was auch richtig ist. Später konnte ich mit eigenen Patenschaften für Athletinnen und Athleten etwas zurückgeben. Der Impact der Sporthilfe auf meine Karriere war gross. Sie half mir, mehr aus dem Sport herauszuholen, professionell zu werden.

Wenn dich jemand fragt, was es bringt, die Sporthilfe zu unterstützen, was antwortest du?

NS Ich schildere als Beispiel, dass ganz viele Fahrer aus meinem Sport trotz etlichen Erfolgen auf höchster Ebene noch immer auf die Sporthilfe angewiesen sind. Dabei haben wir Mountainbiker bei der Vermarktung ja noch einige Vorteile, weil wir ein Produkt in einem grossen Umfeld präsentieren können. In medial weniger präsenten Sportarten wie beispielsweise Rudern oder Fechten ist das schon extrem schwierig, obwohl sie für die Schweiz gerade bei Olympischen Spielen als Medaillenlieferanten immer sehr willkommen sind. Der Aufwand, den sie betreiben müssen, ist aber genau gleich gross. Es geht eben bei der Arbeit der Sporthilfe nicht nur um den Nachwuchs, wie viele Leute oft meinen. Unterstützung brauchen auch viele Eliteathletinnen und -athleten, die ihre Disziplin bereits professionell betreiben.

Und was haben Unterstützende selbst davon, sich zu engagieren?

NS Es ist zunächst einmal ein tolles Gefühl, ein wichtiger Teil des Schweizer Sports zu sein und etwas zu seinem Erfolg beizutragen. An Grossanlässen darf man dann bei Schweizer Erfolgen auch etwas stolz sein auf sich und seinen Beitrag. Gerade bei Patenschaften ist man unter Umständen sogar direkt involviert in den Aufstieg eines Sportlers oder einer Sportlerin. Die Mitgliedschaft oder eine Spende machen dich zum Teil der Sporthilfe Community, dein Beitrag kommt vielen zugute. Und auf die Breite sind wir angewiesen, wenn wir in der Spitze erfolgreich sein wollen.

Das sind die Motive hinter der Unterstützung der Sporthilfe. Gibts auch konkrete Benefits für die Sporthilfe Team Suisse Mitglieder?

NS Ja, man profitiert als Mitglied auch von vielen exklusiven Vorteilen und Partnerangeboten. Nur ein Beispiel: Auf die Tickets für den Sporthilfe Super10Kampf erhält man 20 Prozent Ermässigung.

Welche Möglichkeiten zur Unterstützung der Sporthilfe haben Sportbegeisterte also insgesamt? Und was kostet sie die Mitgliedschaft?

NS Man kann einmalig spenden und so alle unsere Athletinnen und Athleten unterstützen. Mit einer Patenschaft hilft man gezielt und personenbezogen in einer Sportart. Oder man wird Mitglied im Sporthilfe Team Suisse und leistet so eine regelmässige Unterstützung. Ab 55 Franken im Jahr ist man dabei.

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